780 Wechselkröten in die Freiheit entlassen

Die Ökologische NABU-Station Aller/Oker (ÖNSA) wildert gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde junge Wechselkröten im Landkreis Wolfenbüttel aus

Jungen Wechselkröten werden aus einer Transportbox in ein geeignetes Gewässer ausgewildert. Foto: © WASS/Florian Brandes.
Jungen Wechselkröten werden aus einer Transportbox in ein geeignetes Gewässer ausgewildert. Foto: © WASS/Florian Brandes.

 26. August 2022, Wolfenbüttel – Schnell hüpften die jungen Wechselkröten aus den Transportboxen in die kleinen Tümpel in die Freiheit. Die Ökologische NABU-Station Aller/Oker (ÖNSA) wilderte 780 Tiere aus, die im Auftrag des Landkreises Wolfenbüttel in menschlicher Obhut aufgezogen worden waren.

 

Die seltene und EU-weit geschützte Wechselkröte ist in Niedersachsen vom Aussterben bedroht. Sie kommt hier nur noch in den Landkreisen Wolfenbüttel und Helmstedt vor. Doch auch hier ist die Wechselkröte nur noch an einzelnen Standorten mit sehr wenigen Tieren vertreten. Um diesen letzten Populationen zu helfen, begann die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Wolfenbüttel in Kooperation mit der Ökologischen NABU-Station Aller/Oker (ÖNSA) im Jahr 2019 eine Bestandsstützung.

 

Bei dieser Artenhilfsmaßnahme werden junge Kröten aus den Eiern über das Kaulquappenstadium herangezogen. Hierfür wird von einem Standort im Landkreis Laich mit behördlicher Genehmigung entnommen und in der Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen (WASS) aufgezogen. Wenn die jungen Kröten so weit sind, dass sie das Wasser verlassen und an Land gehen, werden sie an den Entnahmestandort und in weitere geeignete Gebiete mit Vorkommen der Wechselkröte ausgewildert. Ziel der Maßnahme ist es, die sehr verlustreichen Laich- und Quappenstadien zu überbrücken und so deutlich mehr Kröten großzuziehen, als in der Natur aufgewachsen wären.

Gut getarnt: Eine frisch ausgewilderte, junge Wechselkröte jagt im Uferbereich nach Insekten. Foto: © ÖNSA/Marieke Neßmann.
Gut getarnt: Eine frisch ausgewilderte, junge Wechselkröte jagt im Uferbereich nach Insekten. Foto: © ÖNSA/Marieke Neßmann.

Am Tag der Auswilderung ist Marieke Neßmann, Leiterin der ÖNSA, froh, dass die Auswilderungsgewässer trotz des niederschlagarmen Sommers noch etwas Wasser führen. Gemeinsam mit Anik Brandenburg von der Unteren Naturschutzbehörde und dem NABU Wolfenbüttel setzt Neßmann die kleinen Kröten, die der Leiter der WASS, Dr. Florian Brandes, gebracht hat, in die flachen Gewässer. Alle Tiere haben den Transport gut überstanden. Von den Teichen hüpfen die jungen Tiere an Land und verstecken sich hier unter Steinen und Vegetation. „Besonders freut mich zu beobachten, dass viele Kröten gleich beginnen nach Fliegen und anderen kleinen Insekten zu jagen, die sich im Uferbereich aufhalten.“ so Brandes.

Nun müssen sie fressen und sich vor Gefahren wie Fressfeinden und Straßenverkehr in Acht nehmen. In zwei bis drei Jahren, wenn sie geschlechtsreif sind, werden sie zur Paarung und Laichablage erneut ein geeignetes, fischfreies Gewässer mit wenig Vegetation und flachen, besonnten Ufern aufsuchen.

 

Die Wechselkröte ist eine Pionierart. Sie ist auf rohbodenreiche Offenlandstandorte spezialisiert. Ihre ursprünglichen Lebensräume sind kaum noch in unserer heutigen Kulturlandschaft vorhanden. Heutzutage besiedelt sie vornehmlich sekundär entstandene Habitate wie Kies- und Tongruben, Tagebaufolgelandschaften, Äcker, Brach- und Industrieflächen und gelegentlich auch Gewächshäuser und Gärten.

 

Neßmann betont „Wichtig sind neben der Bestandsstützung auch Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensräume. Die Wechselkröte benötigt eine hohe Dynamik in der Landschaft. Es müssen vegetationsarme, besonnte Gewässer ohne Fressfeinde und rohbodenreiche Bereiche vorhanden sein. Nur dann kann auch die Bestandsstützung erfolgreich sein.“

 

„Wichtig ist eine gute Abstimmung mit den Abbauunternehmen. Denn in Abbaustätten kommen einige der nur noch wenigen Populationen der Art in Niedersachsen vor.“ fügt Brandenburg hinzu.

 

 

Im Wechselkrötenschutz arbeitet die ÖNSA eng mit dem NABU Wolfenbüttel zusammen. Gemeinsam rufen sie dazu auf gefundene Wechselkröten zu melden unter: Mobil: 01577 7784749 oder per E-Mail: kontakt@oensa.de. Wer sich für den Schutz der Wechselkröte engagieren möchte, kann gerne eine E-Mail an info@NABU-wf.de schicken.

An einem Gewässer in einem aktiven Abbau im Landkreis Wolfenbüttel werden die jungen Wechselkröten vorsichtig in die Freiheit entlassen. Foto: © ÖNSA/Marieke Neßmann.
An einem Gewässer in einem aktiven Abbau im Landkreis Wolfenbüttel werden die jungen Wechselkröten vorsichtig in die Freiheit entlassen. Foto: © ÖNSA/Marieke Neßmann.