Pilotprojekt zum Schutz von Feldhamstern geht in die zweite Runde

Auch in diesem Jahr rufen der Landkreis Wolfenbüttel und die ÖNSA zum Feldhamsterschutz auf und suchen Bewirtschaftende, die sich mit einfach umzusetzenden Schutzmaßnahmen  beteiligen möchten. Der Landkreis zahlt unbürokratisch eine Vergütung.

Verbinden Ackerbau und Naturschutz (v.l.n.r.); Dr. Carsten Schütte (Untere Naturschutzbehörde Landkreis Wolfenbüttel), Landwirt Martin Siemann (www.bluehraeume.de), Landrätin Christiana Steinbrügge und Nicole Feige (ÖNSA). Foto: Landkreis/A. Wilhlem
Verbinden Ackerbau und Naturschutz (v.l.n.r.); Dr. Carsten Schütte (Untere Naturschutzbehörde Landkreis Wolfenbüttel), Landwirt Martin Siemann (www.bluehraeume.de), Landrätin Christiana Steinbrügge und Nicole Feige (ÖNSA). Foto: Landkreis/A. Wilhlem

Der Feldhamster ist rar geworden:  Galt er noch bis in die 70er-Jahre als Schädling, ist er heute weltweit vom Aussterben bedroht und streng geschützt. Damit Feldhamster genug Futter finden, um über den Winter zu kommen, haben die Ökologische NABU-Station Aller/Oker (ÖNSA) und der Landkreis Wolfenbüttel im vergangenen Jahr ein Pilotprojekt gestartet. Es richtet sich an landwirtschaftliche Betriebe, die mit einfachen Maßnahmen dazu beitragen, den Feldhamstern das Überleben zu sichern. Auch 2021 rufen die ÖNSA und der Landkreis zum Mitmachen auf.

 

Gefördert wird die so genannte hohe Ährenernte. Bei dieser Form der Ernte verbleiben genügend Getreidekörner als Winterfutter auf dem Acker. Die Maßnahme kann mit einer Stoppelbrache auf anliegenden Flächen kombiniert werden, um größeren Schutz vor Fressfeinden zu bieten. Ab Anfang Oktober, wenn die Nager ihren Winterschlaf beginnen, können die Flächen umgebrochen und normal weiterbewirtschaftet werden. Einzige Ausnahme: Auf den Einsatz von chemischen Bekämpfungsmittel gegen Nagetiere sollte verzichtet werden. Die Fördervereinbarung wird mit der Unteren Naturschutzbehörde für die aktuelle Bewirtschaftungssaison abgeschlossen. Eine Antragsfrist gibt es nicht, ein Abschuss der Vereinbarung ist bis kurz vor der Ernte möglich beziehungsweise so lange, bis die Fördergelder ausgeschöpft sind.

 

Im letzten Jahr konnten so bereits mehrere landwirtschaftliche Betriebe für den Feldhamsterschutz gewonnen werden, die sich mit einer Fläche von insgesamt 33 Hektar verteilt im ganzen Landkreis an dem Programm beteiligten. So etwa auch Martin Siemann, Landwirt aus Klein Vahlberg: „Als die ÖNSA gleich mehrere Baue auf meinen Flächen fand, war die ganze Familie begeistert. Ich habe sofort meine Unterstützung mit den einfach umzusetzenden Maßnahmen zugesagt. Die Zusammenarbeit funktioniert unbürokratisch und auf Augenhöhe. Dies zeigt mir als Landwirt, dass sich Ackerbau und Naturschutz nicht ausschließen, und dass der Einsatz auch finanziell gewürdigt wird.“ Siemann versucht darüberhinaus noch neue Ansatzpunkte, um Verbraucher und Landwirte zusammen zu bringen (mehr Informationen unter www.bluehraeume.de).

 

 

 

„Das Projekt zeigt, dass mehr Artenschutz möglich ist, wenn die Leistungen dafür anerkannt und honoriert werden.  Ich bin dankbar, dass Landwirtschaft, ÖNSA und Landkreis dafür gut zusammenarbeiten“, so Landrätin Christiana Steinbrügge.

 

 

 

Feldhamsterschutzstreifen Feldhamster Klein Vahlberg
Feldhamsterschutzstreifen auf der Fläche von Martin Siemann. Foto: ÖNSA/N.Feige

 

In vielen Bundesländern gilt der Feldhamster bereits als ausgestorben. Südost-Niedersachsen ist daher ein wichtiger Rückzugsraum geworden. „Schutzgebiete, in denen keine Landwirtschaft mehr durchgeführt wird, wären für den Feldhamsterschutz kontraproduktiv“ berichtet Nicole Feige, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ökologischen Station. Im Gegenteil: „Der Feldhamster ist auf eine Bewirtschaftung der Flächen angewiesen. Nur gemeinsam mit der Landwirtschaft können wir seinen Lebensraum erhalten. Ernteausfälle und zusätzliche Arbeitsschritte werden daher in diesem Projekt angemessen finanziell vergütet.“

 

Dr. Carsten Schütte von der Unteren Naturschutzbehörde fügt hinzu: „Die gute Zusammenarbeit mit der ÖNSA hilft uns, mit den Betrieben in Kontakt zu kommen und das Programm zu bewerben. Wenn wir so den Bestand im Landkreis stützen können, ist das ein wichtiger erster Schritt.“

 

 

Interessierte können sich bei Nicole Feige per E-Mail unter nicole.feige@nabu-niedersachsen.de oder telefonisch unter 01590 4537728 melden oder sich an Dr. Carsten Schütte in der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises wenden: c.schuette@lk-wf.de oder 05331 84 376. Weitere Infos unter www.oensa.de/feldhamsterschutz.

 

 

Auch ehrenamtliche Unterstützung bei der Hamstersuche im Sommer nach der Ernte ist willkommen.