„Kurz vor dem Aussterben“ – gebündelte Kräfte treiben den Feldhamsterschutz voran

Niedersachsens Feldhamsterschützer*innen arbeiten eng zusammen

 

Königslutter, Laatzen, Harsum, Hannover, 10. März 2022 - Um den Feldhamster in Niedersachsen steht es schlecht. Der kleine Nager wird auf der Roten Liste Niedersachsens als „stark gefährdet“ eingestuft. Eigentlich steht er kurz vor dem Aussterben. Dabei ist ein Wirtschaften mit dem Feldhamster gar nicht so schwer. „Der Feldhamster benötigt Nahrung und Deckung bis in den Oktober. Das ist das A und O!“, so Dr. Hanna Kastein von der Ökologischen Station Mittleres Leinetal. Als Kulturfolger wohnt er vorzugsweise auf Getreideflächen, die der Mensch bewirtschaftet. Und eine Co-Existenz mit dem Tier ist ohne weiteres möglich. „Wir haben in Niedersachsen als Agrarland Nr. 1 eine besondere Verantwortung für die heimischen Tiere der Agrarlandschaft“, sagt Björn Rohloff von der Stiftung Kulturlandpflege und ergänzt: „Uns ist wichtig, dass wir auf Augenhöhe und mit großer Transparenz Landwirt*innen gegenübertreten und sie über die Möglichkeiten im Feldhamsterschutz möglichst umfassend informieren können.“

 

Um das Aussterben des bunten Nagers zu verhindern, gibt es in Niedersachsen verschiedene Akteure im Feldhamsterschutz: die zwei großen Ökologischen Stationen im Raum Hannover-Hildesheim (ÖSML) und im Raum Braunschweig-Wolfenbüttel-Helmstedt (ÖNSA), die Deutsche Wildtierstiftung mit dem BfN-Projekt „Feldhamsterland“, die AG Feldhamsterschutz Niedersachsen e.V. sowie die Stif-tung Kulturlandpflege. Gut zu wissen: Die Akteure arbeiten eng zusammen. „Wir stimmen uns zu Anfang eines Jahres gut ab, um die Flächen für Kartierungen und Beratungen von Landwirtinnen und Landwirten zu Schutzmaßnahmen unter uns aufzuteilen und möglichst viele Feldhamstervorkommen zu erreichen.“ sagt Nicole Feige von der Ökologischen NABU-Station Aller/Oker.

Feldhamster Feldhamsterschutz
Foto: Lars Kaletta

 „Die Landwirte müssen mit gezielten und kooperativen Angeboten angesprochen und aktiv eingebunden werden“ betont Björn Rohloff. „Wichtig ist auch, dass die Schutzmaßnahmen dort zielgerichtet eingesetzt werden, wo sie vielen Hamstern zugutekommen.“ Um dies zu gewährleisten, finden seit Jahren Kartierungen statt. Außer-dem wird ein kurzer Draht zum Landvolk gehalten. „Gebiete, in denen viele Feldhamster gefunden werden, sind als Schwerpunktgebiete für Schutzmaßnahmen zu bevorzugen, denn hier haben sie die größte Wirksamkeit.“, erklärt Nina Lipecki, Regionalkoordinatorin für Niedersachsen im Projekt „Feldhamsterland“ der Deutschen Wildtier Stiftung und Vorsitzende der AG Feldhamsterschutz Niedersachsen e.V.

 

Für den Schutz der Feldhamster werden verschiedene Maßnahmen angeboten, die durch Landwirt*innen umgesetzt werden können. Und wer Maßnahmen umsetzt, erhält dafür eine Vergütung. So gibt es eine Agrarumweltmaßnahme (AUM) vom Land Niedersachsen, die speziell auf den Feldhamsterschutz abzielt. Alternativ kann gefördert werden, wenn Getreide direkt unter der Ähre abgeerntet wird und die Stoppel länger stehen bleibt. „Diese Maßnahme nennt man Ährenschnitt oder auch „Hoher Halm“ – gemeint ist das gleiche.“, so Kastein. In der Region Hannover kommt die Finanzierung dieser Maßnahme allerdings aus einem anderen Topf, den u.a. die Region Hannover für Projekte zur Steigerung der Biodiversität in der Agrarlandschaft bereit stellt. Außerhalb der Region Hannover wird die Maßnahme „Ährenschnitt“ aber auch im Raum Wolfenbüttel, Helmstedt, Peine, Goslar und Hildesheim angeboten. „Das sind noch nicht alle Maßnahmen“, erklärt Lipecki, „es gibt verschiedene Hamsterstreifen, die mit Ackerbohne, Lupine oder Luzerne angesät werden und für die es Förderung gibt!“ Hier greift ein Finanztopf der Deutschen Wildtier Stiftung.

 

Hohre Ährenernte - eine Maßnahme aus dem Schutzprogramm der Landkreise Helmstedt und Wolfenbüttel. Foto: C. Schütte
Hohre Ährenernte - eine Maßnahme aus dem Schutzprogramm der Landkreise Helmstedt und Wolfenbüttel. Foto: C. Schütte

Aber egal um welchen Topf es sich handelt – es geht um die Sache. Es geht um das Überleben des Feldhamsters in Niedersachsen. Und hierfür ist schon einiges passiert: In der Region Hannover haben sich neun Betriebe für die Maßnahme „Hoher Halm“ begeistern lassen. Rund 21 Hektar wurden in den Gemeinden Pattensen, Wennigsen und Springe umgesetzt. Der Landkreis Wolfenbüttel verfolgt im dritten Jahr in Folge ein landkreiseigenes Schutzprogramm. Der Landkreis Helmstedt stieg im letzten Jahr mit rund 30 ha geförderter Maßnahmenfläche ebenfalls mit einem eigenen Projekt ein. Die Stadt Braunschweig fördert schon länger die Anlage von Schutzstreifen mit Luzerne und Wintergetreide. „Im Feldhamsterschutz zählt jede einzelne Person und jede Institution! Es gibt genug zu tun!“, sagt Kastein. Deshalb seien mit diesem Artikel interessierte Landwirt*innen eingeladen, sich an eine der genannten Stellen zu wenden und sich über den Feld-hamsterschutz zu informieren.

 

Einen Überblick über angebotene Schutzmaßnahmen für den gesamten Verbreitungsraum von gibt unter www.feldhamsterschutz.de, für Braunschweig, Helmstedt und Wolfenbüttel auf www.oensa.de/feldhamsterschutz sowie für die Region Hannover über den Kontakt der www.oesml.de und www.stiftungkulturlandpflege.de.